Microsoft Lumia 950 – Erster Test nach einer Woche Betrieb

Seit einer Woche bin ich stolzer Besitzer des langerwartetem Microsoft Lumia 950 Dual-SIM – und eines der ersten Handys mit Windows 10 Mobile. Ich möchte im Folgenden meine ersten Eindrücke mit dem Gerät schilden. Hierbei gehe ich zunächst mehr auf das Betriebssystem ein.

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Mein neues Lumia 950 nach einer Woche Praxistest
Mein neues Lumia 950 nach einer Woche Praxistest

Dual-Sim-Support
Auch heutzutage in Deutschland noch echt selten sind 4G-fähige Dual-SIM Handys. Umso überraschender, das Microsoft ein Flagschiff-Modell mit optionaler Dual-SIM-Funktionalität zum gleichen Preis wie die Single-SIM-Variante auf dem Markt wirft. Ich verwendete zuvor ein Lumia 640 Dual-SIM (Version aus Frankreich mit LTE-Support). Hier funktionierte die Dual-Sim-Funktionalität zu meiner Zufriedenheit. Gespannt war ich also auf die Änderungen oder womöglichen Verbesserungen im neuen Lumia.
Auf den ersten Blick sieht alles recht ähnlich zu meinem Lumia-Vorgänger aus. Beim näheren Hinsehen fallen dann die ersten Unterschiede auf: Das neue Lumia 950 schaltet auf der für die Datenverbindung genutzte SIM-Karte auf Wunsch bis auf 4G hoch. Möchte ich 4G auf der anderen Karte nutzen, muss ich zwangsläufig diese für die Datenverbindung festlegen. Das ist zwar in den meißten Fällen auch recht zusammenhängend, doch technisch sehe ich hier keinen richtigen Grund. Außerdem kann ich mir durchaus Sonderfälle vorstellen, in denen ich für die Telefonie gerne aufgrund der besseren Erreichbarkeit das 4G-Netz nutzen will, jedoch für die Datenverbindung aus vertragskostentechnischer Sicht lieber die zweite Karte. Das wäre also nicht möglich. Auf meinen alten Geräten unter Windows Phone 8 war das unabhängig voneinander einstellbar.

Weitere Überraschung: Auf der nicht für die Datennutzung aktivierten Karte kann das Handy nur noch 2G schalten. Das Lumia 640 hingegen konnte auf der anderen Karte noch bis zu 3G schalten – was beispielsweise in Schweden häufig die einzige Frequenz ist. Das ist also eine Verschlechterung.

Die SIM-Karte, die nicht für die Datenverbindung genutzt wird, kann nur maximal im 2G-Netz verwendet werden.

Gespannt war ich auch auf die Dual-SIM-Integration in der Kontaktverwaltung. Natürlich lässt sich zu jeder Nummer eines jeden Kontaktes festlegen, von welcher SIM-Karte dieser angerufen werden soll. Hier ermöglicht Microsoft dem Benutzer, zur leichteren Handhabung jeder SIM-Karte einen Rufnamen zu geben. Wobei – der Begriff „Karte“ ist hier eigentlich schon falsch, denn benannt wird eigentlich nur der SIM-Slot des Gerätes und nicht die Karte selbst. Tauscht man nämlich beide Karten untereinander, so werden die Namen nicht mit „umgezogen“, sondern bleiben auf dem alten Slot hängen. Das ist irritierend, denn dann heißt die Privatkarte plötzlich „Arbeit“ und umgekehrt.
Noch enttäuschender war für mich jedoch die mangelnde Intelligenz der Kartenverwaltung. Ruft mich jemand auf meiner Arbeits-Karte an, will ich ja auch beim nächsten Mal über meine Arbeitskarte zurückrufen. Wer meint, das Handy würde so weit mitdenken, hat sich geirrt. Alle Kontakte stehen Standardmässig auf der SIM-Karte Nr. 1. Auch wenn mich jemand über SIM-Karte Nr. 2 anruft, verändert sich die Präferenz für diesen Eintrag nicht. Hier muss ich also immer in der Kontaktkarte per Hand die gewünschte SIM-Karte ändern. Sogar, wenn ich im Anrufprotokoll der zweiten SIM-Karte dort einfach eine Nummer anklicke, wird stur mit der ersten SIM-Karte gewählt. Das hätte ich mir bei einem modernen Smartphone deutlich „smarter“ erwartet! Update am 13.01.2016: Nach dem aktuellsten Update (s.u.) wählt das Handy die entsprechende Simkarte von deren Protokoll aus zurückgerufen wird.

Über ein kleines Dropdownmenü (rechts) lässt sich neben der Rufnummer die gewünschte SIM-Karte (hier „Pago“) wählen.

Benutzerführung
Etwas lieblos ist die Gestaltung der Menüs. Besonders fällt das in den Einstellungen unter „System“ auf: Informationen über den Akkustand und die Akkunutzung verbergen sich beispielsweise unter dem Kapitel „Stromsparmodus“. Dort habe ich sie nicht vermutet.
Das Kapitel „Handy“ ist hingegen schon sehr wage benannt – dort sind ja wohl kaum alle Einstellungen zum „Handy“. Doch so ist es nicht. Dort verbergen sich Einstellungen zum Anruf-/Gesprächsverhalten, beispielsweise automatische Antworten. Hier wäre also die Überschrift „Anrufe“ wesentlich treffender. Aber vielleicht ist es ja auch nur falsch übersetzt worden („Cell“ statt „Call“)?
Auch recht schwer gestaltete sich für mich die Suche nach der Einstellung für die Zeitspanne bis zum Abschalten des Bildschirms bei Nichtbenutzung. Wo bei anderen Geräten meistens Begriffe wie „Beleuchtungsdauer“ genutzt werden, geht Microsoft hier einen anderen Weg:
Unter Einstellungen -> Personalisierung -> Sperrbildschirm lässt sich eine Zeit in der Sektion „Bildschirmsperre nach“ einstellen. Obwohl ich es nicht damit aussoziiert hatte, habe ich durch Ausprobieren festgestellt, dass damit tatsächlich die Beleuchtungsdauer bis zum Abschalten des Bildschirms gemeint ist. Was das ganze mit einer „Sperre“ zu tun hat, ist mir schleierhaft. Denn diese wird eigentlich im Kapitel „Anmeldeoptionen“ festgelegt. In meinen Augen muss hier nochmal jemand die Struktuierung und Benutzerführung deutlich überarbeiten.
Auch ist scheinen noch einige Fehler im System zu sein. So kann ich meine letzten Anrufe in der Telefon-App nicht unter „Verlauf“ sehen – diese Liste ist permanent leer. Hingegen finde ich die Gesprächsliste unter „Wähltasten“.

Update vom 13.01.2016: Nach dem aktuellsten Update (s.u.) erscheinen die letzten Anrufe nun auch unter „Verlauf“. Es handelte sich scheinbar wirklich um einen Bug, der nun gefixt wurde.

Dual-SIM Support in Windows Phone 10
Irritierenderweise erscheinen hier die letzten Anrufe. Unter „Verlauf“ hingegen ist alles leer.

Allerdings bleibt zu sagen: Das sind Kleinigkeiten, die zwar irritierend sind, aber vermutlich nur Kinderkrankheiten sind und in den nächsten Updates hoffentlich bald behoben werden.

Hello
Eine echte Überraschung war für mich die Funktion „Hello“. Darunter verbirgt sich die noch im Beta-Status befindliche Funktion, sich mittels des eingebauten Iris-Scanners am Gerät anzumelden, ohne ein Kennwort eingeben zu müssen. Dies hielt ich zunächst nur für eine recht witzlose Idee – vergleichbar mit dem früheren Versuchen etlicher Hersteller die Kamera für eine Identifikation des Nutzers zu nutzen. Doch gefehlt! Nach der anfänglich etwas störrischen Anlernphase meines „Augenblickes“ hat das Handy sich nun meine Iris gespeichert und kann mich überraschend flott und zuverlässig erkennen. Und zwar sogar bei absoluter Dunkelheit! Sobald ich das Handy aufwecke, geht in der Ecke eine kleine rote Leuchte an, über die meine Iris erfasst wird. Solange ich das Gerät einigermaßen gerade anschaue und das Handy halbwegs ruhig halte, klappt das einwandfrei. Und erstaunlich schnell. Aufwecken, Gerät anschauen, Klack – ich bin drin. Das alles dauert keine zwei Sekunden.

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Der Sperrbildschirm kommentiert den Status den IRIS-Scan live.

Inzwischen bin ich so begeistert von der Funktion, dass ich mein Kennwort gar nicht mehr zum Einloggen verwende, sondern stattdessen immer den Iris-Scan vorziehe. Eine echte Innovation!

Aufladen

Das Handy hat eine USB Typ-C-Buchse. Bedeutet, ich kann die endlich europaweit standardisierten Micro-USB-Netzteile nicht mehr nutzen. Dafür kann ich endlich den passenden Ladestecker in beliebiger Richtung reinstecken. Das alte Spiel (Gerade rein – ach ne, falsch rum. Andersrum – ach ne, auch falsch rum. Wieder gerade rein – passt) entfällt endlich. Endlich! Außerdem kann das Gerät drahtlos geladen werden, was ohnehin genial ist.

Verarbeitung / Haptik

Das Gehäuse ist recht vergleichbar zur 630 / 640-Reihe. Ein dünner Plastikboden, der sich bei Bedarf abziehen lässt. Das ist nicht besonders edel, sieht aber recht anständig aus. Auch die Spaltmaße sind genau. Leider ist das Gerät ziemlich rutschig, sodass es mir schon zu Beginn gleich ein paar Mal aus den Händen gerutscht ist. Abhilfe habe ich dem nun mit einer vernünftigen Hülle geschaffen, die das Gerät griffiger macht und es gleichzeitig vor Stößen schützt. (Mit der Hülle bin ich im Übrigen sehr zufrieden.)

Die nachträglich angebrachte Hülle schützt das Gerät und insbesondere die Linse vor Stößen und Kratzern.
Die nachträglich angebrachte Hülle schützt das Gerät und insbesondere die Linse vor Stößen und Kratzern.

Fazit

Leider hat das Handy einige meiner Erwartungen nicht vollständig erfüllen können – beispielsweise eine schlaue Dual-SIM-Integrierung. Andererseits ist es bislang das schnellste Handy, dass ich je hatte. Auch wenn es (noch) ein paar Kinderkrankheiten gibt, so bin ich doch ingesamt bin ich mit dem Gerät ziemlich zufrieden. Gerade die Neuerungen sind bisher wirklich überzeugend.

Ich werde in Kürze weiter berichten und dann über andere Aspekte wie die Kamera detailliert eingehen.

Nachtrag vom 13.01.2016:
Nach der Anmeldung am Insider Program konnte ich gestern bereits auf den Build 10586.63 updaten. Dieser hat wie erwartet einige von mir monierte Kinderkrankheiten behoben. Immerhin ist Microsoft aktiv dabei!

 

Veröffentlicht von

Patrick Marwede

IT Administrator und Technik-Freak.

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